Als ich kürzlich von einem sich ankündigenden, neuen 35mm für das Fujifilm x-Mount gelesen hatte, war ich etwas überrascht. Ich habe mit dem Erwerb meiner x-pro1 im Frühjahr 2012 das Fujinon xf35mm f1.4 gleich dem Einkaufsbeutel mit hinzugefügt und es bis heute nicht bereut. Ich dachte denke nicht, dass man dieses ohnehin schon tolle Objektiv besser machen konnte. Das Fujinon xf 35mm f1.4 ist nach wie vor ein optisch ganz hervorragendes Objektiv und ich glaube nicht, dass das neue Fujinon xf 35mm f2.0 WR dem alten den Rang ablaufen will. Es richtet sich meiner Meinung nach nur an eine andere Zielgruppe. In Sachen Autofokus hat sich natürlich auch einiges verändert, aber auch der Wetterschutz (WR = Weather Resistant) ist mit der Fujifilm x-t1 für viele Fotografen interessant geworden.

Gleich zu Beginn, ich werde hier keine Vergleiche zwischen den beiden Objektiven zeigen, also zumindest nicht in Form von gleich abfotografierten Motiven, um diese dann bei möglichst 400% Vergrößerung auf das Pixel genau zu vergleichen. Der einzige Vergleich zwischen den beiden Objektiven, den Ihr im Bild sehen werdet, ist das unten aufgeführte Foto. 😉

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Ganz ehrlich? Also nur unter uns, ja: Wer das hässliche Entlein zwischen den zwei Geschwistern ist, ist klar, oder? Aber wie sagt Elmar immer so schön: Wir schauen nicht auf das Objektiv, sondern durch das Objektiv! 😉

Das nur noch Plastik-Gegenlichtblenden kommen, daran hat man sich ja mittlerweile mehr oder weniger gewöhnt, aber dass die dann immer hässlicher werden, ist dann echt nicht so nett von Fujifilm. Und dann auch noch zum reinschrauben. Mann, Mann, Mann, da habe ich erst mal große Augen gemacht. Bei meinem Exemplar, welches mir übrigens Fujifilm Deutschland netterweise einen Monat zur Verfügung gestellt hat (Vielen Dank dafür!), hatte ich den Eindruck, wenn ich sie nicht ordentlich fest daraufschraube, löst sie sich. Wenn ich sie aber zu fest daraufgeschraubt hatte, musste ich kämpfen, sie wieder abzubekommen. Es scheint wohl auch eine alternative Gegenlichtblende zu geben, die man seperat erwerben kann. Aber nun gut, das sind ja Äußerlichkeiten.

An einigen Stellen habe ich gelesen, dass der Autofokus schneller sein soll im Vergleich zum alten xf35mm. Das kann ich nicht bestätigen. Ich habe hier derzeit zwar „nur“ die x-pro1 zum Testen von Fujifilm x-Obejktiven, aber ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass an einer x-t1 oder x-t10 meine Ergebnisse ähnlich ausfallen würden. Was ich allerdings hier auch ganz klar herausstellen will, das neue Fujinon xf 35mm f2.0 WR ist deutlich leiser beim Fokussieren. Das habe ich nicht zuletzt daran gemerkt, dass ich meiner Tochter nicht ständig einen Vortrag halten musste, dass sie sich bitte erst dann genervt von mir und der Kamera abwendet, wenn ich ihr sage, das Foto ist im Kasten.

f2.0, ISO800

f2.0, ISO800

Mittlerweile ist die Kleine ja schon fast ein Profi. Sobald die Kamera Geräusche macht, meint sie zu wissen, dass ich ausgelöst habe. Bei meiner x100T, oder wenn ich die x-pro1 und das xf56mm zum Beispiel nutze, oder den analogen Kameras stimmt das ja auch, mitnichten aber, wenn ich das xf35mm f1.4 zum Fotografieren nutze. Kaum hat der AF durch Hin- und Herrödeln seinen Fokus gefunden, denkt die Kleine immer, Papa hätte sein Bild im Kasten und dreht sich weg. Natürlich habe ich so öfters mal ein schönes Portrait von ihr verhauen. Dieser Punkt geht meiner Meinung nach deutlich an das neue xf35mm.

In Sachen Bildqualität gibt es von meiner Seite aus nichts zu meckern. Schon offen ist das Objektiv schön scharf, und das bis in die Ränder. Im Gegensatz zu dem xf35mm f1.4 ist das neue xf35mm allerdings wohl nicht optisch korrigiert, sondern es passiert einiges Firmwareseitig. Beeindruckt hat mich, dass ich es quasi nicht geschafft habe, Flares zu produzieren. Das Fujifilm Coating leistet da schon beachtliches.

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Was mich auch sehr gefreut hat, war, dass ich im Bereich f2.0-f2.8 das ein oder andere Mal einen gewissen 3D-Pop sehen konnte. Etwas, was ich so meist nur von Elmar bzw. Zeiss her kenne. Das habe ich beim alten Fujinon Fujinon xf 35mm f1.4 so nicht gesehen.

Congressman Phillip Burton // San Francisco

Congressman Phillip Burton // San Francisco

Passend zu diesem 3D-Pop hat mich das Bokeh, also die Charakteristik der Zeichnung in der Unschärfe, auch sehr angesprochen.

f2.5

f2.5

Alles in allem muss ich (mal wieder) sagen, dass Fujifilm einen sehr guten Job gemacht hat. Das neue Fujinon xf 35mm f2.0 WR ist schön klein, leicht, hat Dichtungen, um allgemeinen Wetterlaunen entgegenzutreten, ist schon scharf bei Offenblende, hat ein schönes Bokeh und ist quasi Sunflare resistent. Das ganze kommt dann auch noch zu einem sehr guten Preis von UVP 399 Euro, und somit fast 200 Euro günstiger als das um eine Blende lichtstärkere xf35mm f1.4, daher.

Die Frage, die man sich also zurecht stellen kann: Welches Objektiv soll man nehmen? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung! Ich besitze ja das xf35mm f1.4 und ich liebe es. Hätte ich kein 35mm und würde jetzt eins kaufen wollen, wäre das wohl eine harte Entscheidung (für mich). Das neue bietet:

  • einen leiseren Autofokus
  • Wetterschutz (WR)
  • etwas kleiner und minimal leichter
  • resistent gegen Sunflares (neues Fujifilm coating)
  • äußerliche Schönheit ist was anderes

Das alte xf35mm bietet:

  • eine Blende mehr
  • optisch korrigiert
  • Metallsonnenblende
  • einfach ein äußerlich schönes Objektiv

Am Ende glaube ich, liegen beide schon sehr eng beisammen, und es kommt auf die Kleinigkeiten an, also was dem Nutzer besonders wichtig ist. Beantwortet man sich diese Frage so, wird einem die Entscheidung wohl sicher leichter fallen. Ich für meinen Teil brauche nicht zwei 35mm. Von daher muss ich diese Entscheidung glücklicherweise selbst nicht treffen. Euch, die Ihr diese Entscheidung aber noch vor Euch habt: Viel Spaß! Und wirklich falsch machen, geht bei den zwei Objektiven kaum. Man hat halt die Wahl zwischen Gelbgold und Rotgold. 😉

Jetzt noch ein paar Bilder, welche ich mit dem xf35mm f2.0 WR über einen Monat in meinem Besitz aufgenommen habe. Von Köln nach Tokyo bis nach San Francisco seht hier hier meine Lieblingsbilder. Noch einmal einen herzlichen Dank an Fujifilm Deutschland für die Leihgabe.