Ich habe zu einer Zeit mit der Fotografie begonnen, als es noch keine Zooms gab, das Wort Autofokus nicht einmal existierte (zumindest in meinem Wortschatz), die einzige Programmautomatik die Blendenautomatik war, ISO noch ASA hieß, eine Kamera eine Batterie im Grunde nur für den internen Belichtungsmesser benötigte und in der ein mittelloser Schüler wie ich es war von einer Leica Kamera träumte und diese als die beste Kamera der Welt ansah. Gut, das ist bei manchen Leuten immer noch so, aber darum soll es hier nicht gehen!

Meine erste Kamera war eine analoge Canon Spiegelrefelex (SLR) Kamera, die AE-1. Ich hätte ja jetzt gerne F1 geschrieben, aber mein Vater wollte mir als 12-jährigem diese partout nicht zum „spielen“ geben. Ich kann es ihm aus heutiger Sicht nicht übelnehmen. Ich kriege ja manchmal schon Herzrasen, wenn mein 16-jähriger meine Kameras in die Hand nimmt. In letzter Zeit sieht man immer wieder und vermehrt Menschen mit analogen Kameras durch die Großstädte ziehen. Analog ist also noch lange nicht tot. Im Gegenteil! Und auch ich verspüre von Zeit zu Zeit den Drang mal wieder einen schönen Schwarzweißfilm „durchzuziehen“. Aber ich bin schon zu sehr im digitalen Zeitalter angekommen. Richtig, auch hierum soll es nicht gehen.

Gedankt durch die F1 meines Vaters war Fotografie für mich immer gleich Canon! Ja, die Nikon-Freunde werden jetzt wohl kopfschüttelnd diese Zeilen lesen und mich als hoffnungslosen Fall abtun, aber habt Geduld! Und nein! Ich bin und werde wohl nie zu Nikon wechseln. Dieses Happy End könnt Ihr mal getrost vergessen.

Ich mag Canon Kameras und die Objektive immer noch sehr gerne. 2010 dann war es so weit, nach vielen Jahren verschiedenster analoger und auch digitaler Kameras (bis auf zwei Ausnahmen, alle von Canon) kam ich zur 5D MkII. Ich fühlte mich wie damals, als ich noch von den teuren Mittelformat Kameras träumte. Ich erinnere mich noch an die Anfangszeit der digitalen Fotografie, ich glaube es war Kodak, welche den ersten digitalen Sensor in einer SLR verbauten. Die Preise dieser Kameras waren enorm und für einen Studenten. der ich mittlerweile war, undenkbar bzw. unbezahlbar. Also schrieb ich Kodak damals an. Ich fragte sie ob es denn nicht möglich sei, in meine AE-1 durch Tausch der Rückwand, den digitalen Sensor einzubauen? Die dachten wahrscheinlich auch, was ist denn mit dem los?

Die Bildqualität der 5D MkII ist super, keine Frage! Ich mag sie sehr und bei Studioarbeiten ist sie auch immer noch meine erste Wahl. Und dennoch störte mich mit der Zeit immer häufiger ein Umstand: das Gewicht und die Größe! Ich bin zwar ab und an im Studio, aber 98% meiner Arbeiten sind im Freien. Und da ich beruflich auch sehr viel Reise, ist kleines und leichtes Gepäck extrem wichtig für mich. So kam es, wie es im nachhinein vorauszusehen war, meine 5D blieb immer öfter zu Hause. Unterwegs ärgerte ich mich dann jedoch, oft die Kamera nicht mitgenommen zu haben. Wenn ich sie dann aber doch mal dabei hatte, ärgerte ich mich sehr über das Gewicht. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass sagen das mich dieses Ärgern in meiner Kreativität hemmte. Ich hatte einfach keine Lust mehr zu fotografieren. Also suchte ich immer wieder nach leichten Alternativen für unterwegs, also eine immer-dabei-Kamera. Das Problem war jedoch bei jeder Kamera, dass ich von der Bildqualität der 5D einfach zu verwöhnt war. Dann las ich einen Artikel eines Streetfotografen, der darin schwärmte von den Leica M Kameras, ihrer geringen Größe usw. schwärmte. Und fast zeitgleich brachte Fujifilm ihre x100 auf den Markt.

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Das Design dieses Schmuckstücks verdrehte mir sofort den Kopf. Ja, ich gebe zu, da war es wieder, das Verlangen des mittellosen Schüler/Studenten, einmal im Leben eine Leica zu besitzen. Und noch einmal ja, ich weiß, die x100 ist keine Leica! Aber sie sieht ihr verdammt ähnlich. Ich ging also zum Fotohändler meines Vertrauens und befingerte das gute Stück. Es war erstaunlich, diese Kamera weckte sofort etwas in mir, was ich schon lange auf dem Weg zu den vielen tollen DSLR’s verloren hatte. Meine Finger wanderten wie an den ersten Tagen meiner fotografischen Anfänge an die Stellen, an denen man eben Blende, Zeit und die Belichtungskorrektur einstellt. Ich hatte einen Sucher in einer Kompakt-Kamera, die den Namen Sucher auch verdiente, mehr sogar als das. Der elektronische Sucher war zugegeben am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig, aber ich wusste nach 30 Sekunden des Ausprobierens sofort, dass ich den Laden nicht ohne diese Kamera verlassen würde. Ich musste gegenüber meiner Frau nur für ein paar Minuten zumindest den Anschein aufrecht erhalten, ich würde den Kauf wohl überlegt machen, denn das war er nicht! Zum ersten Mal kaufte ich mir mit der x100 eine Kamera ohne überhaupt mehr als ein paar Zeilen über sie gelesen zu haben. Das ist für mich (bei Kameras) ungewöhnlich, vor allem wenn sie mehr als 1000€ kosten. Ich recherchiere sonst tage-, wochen-, manchmal monatelang bevor ich mit mehr oder minder lockerem Portemonnaie zum Händler gehe. Über die x100 jedoch wusste ich eigentlich nichts. Nichts über eventuelle  Macken, nichts über ihre Bildqualität und um ehrlich zu sein, wusste ich, als eingefleischter Canon-Nutzer nicht einmal, dass Fujifilm auch Kameras herstellt! Filme, ooooh ja! Das wusste ich, machen sie und können sie auch ganz gut, aber Kameras?

Egal, dachte ich mir! Ich will die „Leica für Arme“! Heute bin ich sooo froh, dass ich die Kamera genau so gekauft habe, denn sie wurde vieler Orts sehr kritisiert, sicherlich auch an manchen Stellen zu recht, aber wenn man das gesamte Paket dieser Kamera betrachten konnte, dann schienen viele Punkte einfach nebensächlich. Aber wie gesagt, nur für jemanden, der die Kamera im Gebrauch hatte. Hätte ich recherchiert, dann hätte ich vielleicht nicht zugegriffen. Diese Kamera hat meine Art zu fotografieren so dermaßen positiv beeinflusst, dass ich Fujifilm hier gar nicht genug danken kann.

Der af der x100 war am Anfang schlecht! Langsam und für einen DSLR gewöhnten Fotografen einfach nicht einfach beherrschbar. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Folge von „The Grid“, ein Podcast von und mit Scott Kelby. Er und seine Fotokumpels machten sich regelrecht lustig über die Performance der x100. Sie konnten es nicht fassen, dass sie, die DSLR Profis, mit einer mehr als 1000$ teuren Kompakt-Kamera keine scharfen Fotos hinbekommen konnten! Ganz ehrlich, ich als x100 Nutzer fragte mich das auch und mit einmal fand ich Scott Kelby und seine Fotobande gar nicht mehr so cool. Ich als Nichtprofi schaffte es knackscharfe Fotos zu machen, und sie nicht? Da fragte ich mich dann doch, wer sich das Wort Profi auf die Fahne schreiben soll

Auch andere kleinere Fehler/Eigenheiten machten das Arbeiten mit der x100 für einen DSLR Nutzer nicht einfach. Nach zwei Wochen war ich kurz davor die Kamera zurück zu geben. Zum Glück habe ich es nicht gemacht! Ich entdeckte ein deutsch-sprachiges Forum wo sich z.T. echte Technik Gurus tummeln, wie Michael Hußmann, oder Rico Pfirstinger unter anderem durch sie aber auch viele andere wirklich tolle Fotografen (danke an tabbycat, pilobulus, margunov, Elmar :*, MelleMel, mbart ach soo viele!!!) änderte ich meine Meinung und gab meiner kleinen Diva noch eine Chance oder besser ich gab mir noch eine Chance. Hier will ich gerne auch Thomas Menk und seinen Scoop erwähnen. Wer Informationen rund um die Fujifilm x-Series Kameras sucht, findet hier alles an einem Ort.

Ich habe mich auf die Kamera eingelassen mich mit ihren Eigenarten auseinander gesetzt, vieles an Technik dazu gelernt. Das Metier Fotografie noch einmal von vorne gelernt bzw. aufgefrischt. Bereit gewesen mich um zu gewöhnen. Ein gutes Beispiel ist mein Auge welches ich an den Sucher führe. Jeder hat ein Auge welches er intuitiv an den Sucher einer Kamera führt. Seit ich angefangen habe zu fotografieren war es mein linkes Auge. Bei der x100(s) und der x-pro1 (x-e1) ist es eher von Vorteil wenn man das rechte benutzt, denn so kann man mit dem linken an dem Kamera Body vorbei schauen und die Szenerie ausserhalb des Suchers zusätzlich im Auge behalten, auch drückt man sich so die Nase nicht am Kameradisplay platt/fettig. Dies habe ich mir angewöhnt, lustigerweise komme ich ins strudeln wenn ich eine DSLR in die Hand nehme, aber dies kommt ja eh kaum noch vor.

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Ich schrieb ja zuvor, dass die Kamera meine Fotografie stark veränderte, der Hauptgrund war/ist wohl, sie ist so leicht, dass ich sie einfach immer mit dabei habe. Sie ist so schön klein und leicht, dass sie selbst in einer größeren Jackentasche Platz findet. Dann die Bildqualität: Die x100 hatte noch einen Bayer Sensor, aber schon da war die Kamera super! Bei schlechten Lichtverhältnissen haben die x-Series Kamera von Fujifilm kein Problem bis ISO 3200, selbst ISO6400 kann sich noch sehr gut sehen lassen. Die analoge Bedienung, also die Blende am Objektiv mittels eines Blendenrings einzustellen, die Zeit auch an einem analogen Zeitwahlrad vorzugeben und ein Belichtungskorrekturrad zu haben, lässt einen sich auf das wesentliche Konzentrieren, nämlich auf das komponieren des Bildausschnitts.

Im ausgeschalteten Zustand kann man als Fotografierender bereits alle belichtungswichtigen Parameter einstellen/überprüfen, sodass man die Kamera nur noch ans Auge führen muss, komponieren und auslösen. Unbezahlbar z.B. bei der Streetfotografie. Bei der x100(s), ist ein weiterer sehr entscheidender Vorteil die festverbaute Festbrennweite (23mm bzw. 35mm auf Kleinbild bezogen). Ja, in meinen Augen ist dies ein enormer Vorteil, man lernt als Fotograf in dieser einen Brennweite zu sehen. Und wo man als Zoom-Fotograf das Objekt ranzoomt, geht man halt als x100(s) Fotograf näher ran oder ein paar Schritte zurück. Das entscheidende jedoch ist, dass man seinen Ausschnitt nach einer Weile einfach kennt und/oder sich eben mehr mit dem Motiv auseinander setzen muss. Das ist nicht zu unterschätzen und hat mich sehr geprägt. Die Beschränkung auf nur diese eine Brennweite hat mich ferner sehr entspannt! Ich habe, wenn ich mit meiner x100s losziehe, eben nur diese eine Brennweite dabei, evtl durch den wcl-x100 noch ein paar mm mehr, aber das war es dann auch. Ich muss mich weniger mit meinem Equipment auseinandersetzen oder welche Brennweite/Zoom ich jetzt auf die Kamera mache. Ich kann meine gesamte Konzentration dem Motiv widmen. Man schafft sich so viele Kapazitäten für die Kreativität. Unbezahlbar!

Der Zentralverschluss der x100(s) ist ein weiterer Vorteil. Zum einen ist die Kamera durch diesen fast unhörbar beim Auslösen (sehr gut, wenn man unauffällig fotografieren will) und zum anderen sind dadurch Blitzsynchronzeiten möglich, von denen man als DSLR Fotograf nur träumen kann. Wo man als DSLR Fotograf auf, wenn man Glück hat, 1/500 sek zählen kann, ist bei der x100(s) 1/4000 sek. theoretisch leicht zu bewältigen. Man kann bspw. an einem sonnenreichen Tag mittels schneller Auslösezeit das Umgebungslicht soweit abdunkeln, dass eine surreale Lichtstimmung möglich ist.

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Mit dem in der Kamera integriertem ND Filter hat man noch einmal zusätzlich einen Spielraum um 3 Lichtwerte. Oben mal ein kleines Beispiel aus meinem privaten Archiv von meiner Frau. An der Stelle mal ein dicke Dankeschön an sie! Nicht nur, dass sie mir immer bereitwillig Modell steht, wenn ich mal wieder etwas „ausprobieren“ will, sie fördert, unterstützt und pusht mich oft in die richtige Richtung! Sie ist wohl der entschiedenste Faktor bei meinem ständigen Wunsch mich weiterzuentwickeln!

Am Ende noch ein paar Worte zu den jpg’s der x100(s). Seit ich mit DSLR’s fotografiere, war ich immer ein 100%iger RAW-Shooter. Das heisst, ich habe alle meine Bilder im Rohdatenformat aufgenommen und später dann am Rechner aufbereitet und bereitgestellt. Mit der x100 hat sich das allmählich geändert. Heute gibt es Motive/Situationen, bei denen ich schon im vornherein weiß, dass ich die RAW’s wohl nicht benötigen werde. Ich nehme zwar immer RAW+jpg auf, aber dies nur zur Sicherheit, sollte ich wirklich mal auf eine misslungene jpg-Konvertierung der Kamera treffen. Vor allem bei meinen Familienfotos greife ich in 99% der Fälle auf die jpg’s der x100(s) zu. Die viel gelobten Fujifarben, hier liebe ich vor allem die Filmsimulation Astia sehr, sind tatsächlich sehr schön und mit den mir bekannten RAW Konvertern aus kaum einer RAW Datei, sei es nun Canon oder Fujifilm RAW’s selber, herauszuzaubern.

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Die x100 war die beste Kamera, die ich mir bis heute gekauft hatte. Es war ein Spontankauf, ein Kauf, der nichts mit Vernunft zu tun hatte. Er kam aus dem Wunsch heraus, eine kleine, schöne immer-dabei-Kamera zu haben. Ich habe auf sehr gute Bildqualität gehofft und ich habe so sehr viel mehr durch diesen Kauf erhalten. Ich habe für mich eine Evolution in meiner Fotografie, welche durch einen Rückschritt erfolgte, erhalten, eine neue Idee von Fotografie, ein neues-altes Gefühl zurückerhalten und die Möglichkeit, zu jeder Zeit und überall ohne schweren Schleppens von gutem Equipment (für mich) herausragende Fotos zu machen.

Natürlich blieb es nicht bei dieser einen Fujifilm Kamera. 1 Jahr später folgte die Systemkamera von Fujifilm, die x-pro1, aber auch diese soll heute hier erst einmal kein Thema sein, das kommt später. So viel schon einmal vorweg, die 5D MkII habe ich seit 2011 vielleicht noch 5 mal in den Händen gehabt.

Hier noch ein paar Fotos welche allesamt mit der x100 oder eben dem Nachfolger der x100s entstanden sind.

Stars & Stripes

Hong Kong

Orange

Berlin

Hong Kong

Hong Kong

Speed

Tokio Station

Hintergrund

Frühling