Nachdem ich durch den x-trans mich immer wieder dem Thema der passenden RAW Konverter annehmen musste, will ich heute gerne einen genaueren Blick auf den RAW Konverter der picturecode Firma PhotoNinja werfen.

Gleich zu Beginn möchte ich einige Dinge voranschicken.

  • Dies ist ein ganz persönliches Review! Ich habe keinen Anspruch, mein Geschriebenes als allgemeingültig zu sehen.
  • Schärfe ist nicht alles für mich, Pixelpeepen überlasse ich denen, die das können.
  • Ich bin ein einfacher Anwender und ein ganz großer Freund von Software, welche mir schnell und einfach gute bis sehr gute Ergebnisse liefert, wodurch es mir möglich ist, mehr Zeit zum Fotografieren zu haben und weniger Zeit am Rechner zu verbringen. Diese Zeitersparnis lässt sich wiederum wunderbar in wertvolle Familienzeit investieren.

Wenn man es einfach ausdrücken will: Ich liebe Automatiken bei Software.

Ich benutze Lightroom seit Version 1 und schätze dieses Programm sehr. Nicht nur wegen seines integrierten RAW Konverter, sondern vor allem auch wegen seiner anderen zahlreichen Funktion und Möglichkeiten, Presets und Einstellungen auf viele Bilder gleichzeitig anzuwenden/synchronisieren. Zudem besteht die Möglichkeit, über Plugins auf andere, funktionsergänzende bzw. -erweiternde  Software zuzugreifen. Tatsächlich verlässt mein Foto in vielen Fällen die Lightroom Umgebung erst gar nicht und die gesamte Entwicklung vom Import bis zum Export findet in Lightroom statt.

Seit Fujifilm die x100 auf den Markt brachte, bin ich überzeugter X-series Fotograf. Als 2012 die x-pro1 mit dem x-trans Sensor auf den Markt kam, sprang ich auf diesen Zug mit auf und bereue es bis heute nicht. So toll der x-trans Sensor aber ist, vor allem zu Beginn wurde dieser im Grunde von keinem RAW Konverter unterstützt, bis auf den im Lieferumfang der Kamera mit beigelegte (Silkypix).

So fand ich mich in der ungewohnten Situation wieder, mich auf die Suche nach Alternativen zu Lightroom zu begeben. Hier hatte ich schon mal ein Review geschrieben. Gerne habe ich das ehrlicherweise nicht gemacht! Zum einen, weil ich Lightroom wie oben erwähnt sehr schätze, und zum anderen bin ich im Grunde ein ungeduldiger und in Sachen Softwareeinarbeitung fauler Mensch. Ich will es einfach haben und liebe bei der Bildbearbeitung meine Routinen. Von der Kamera laden, an den Reglern schrauben und raus zum Druck, Internet oder wo auch immer hin. Alles, was mich länger als 10-15 Minuten Zeit kostet, nervt mich nur.

Von Silkypix, RPP, Rawker und Capture 1 habe ich mir mehr oder weniger intensiv alles angeschaut. Iridient Developer steht noch auf meiner persönlichen to-do Liste. Alle erwähnten Programme haben Ihre Stärken und Schwächen. Fast alle sind bei der Detailwiedergabe besser als Lightroom, haben dafür in meinen Augen jedoch ihre Schwächen bei der Farbwiedergabe, GUI, Performance (Geschwindigkeit) und/oder Lichterrettung.

Sie haben aber alle nur bedingt in meinen Workflow reingepasst. Zum Teil musste ich die Dateien erst hin- und herkopieren, dann im entsprechenden RAW Konverter öffnen, bearbeiten und speichern, um sie dann wiederum in Lightroom zu importieren/synchronisieren. Alles machbar, aber zeitaufwändig und einfach nur nervig. So verlor ich recht schnell die Lust daran, aus meinen Fotos das letzte Quentchen mehr an Detailwiedergabe herauszuholen, zumal sie in meinen Augen häufig in der Totalansicht fast vernachlässigbar schien. Als Adobe dann seinen Algorithmus verbesserte, konnte ich wieder glücklich und zufrieden in meinem alten Worklflow arbeiten. Der zum Teil geringe Mehrgewinn an Details etc. durch die Nutzung anderer RAW Konverter stand für mich in keinem Verhältnis zum dadurch entstandenen Mehraufwand meines Workflows.

Ja! Eine ganz subjektiv getroffene Entscheidung!

Durch einen sehr geschätzten Teilnehmer des deutschen x-100 Forums, der bereits zwei Bücher (eines leider nur auf dem amerikanischen Markt erhältlich) über die X-series Kameras veröffentlicht hat, Rico Pfirstinger, wurde ich auf PhotoNinja aufmerksam. Obwohl ich im Grunde die Jagd nach einem besseren RAW Konverter nicht mehr machen wollte und mit Lightroom schon recht zufrieden war, als ich dann auf  Scoop.it ,den von Thomas Menk betriebenen Scoop,  auch noch was über PhotoNinja las, schaute ich mir das Programm dennoch an.

Es gibt die Möglichkeit, die Software direkt von der Seite runterzuladen und mittels einer Testlizenz, die man per Mail anfordern muss, 14 Tage lang zu testen. Sie wird nur in englisch Angeboten. Auf Wunsch ist es , für einen Aufpreis, möglichsich noch eine CD/DVD mit dem Programm zukommen zu lassen. Bei der Liste der unterstützten Kameras kann man auch lesen, dass die Lichterrettung (Highlight Recovery) für den x-trans Sensor noch nicht unterstützt wird. Ich habe bei den Entwicklern nachgefragt, ob und wann man mit dieser Funktion rechnen könne, und erhielt von dem sehr freundlichen Support eine schnelle Antwort: “Wir arbeiten noch daran. Es wird kommen. Wir können nur noch nicht sagen wann, aber es ist in der Wichtigkeit recht weit oben bei uns.”

Wenn man das Programm öffnet, sieht man ein gutes und übersichtliches GUI, wodurch sich die Einarbeitung recht einfach und intuitiv gestaltet. Man kann das GUI in Maßen anpassen und auch die Anordnung der einzelnen Entwicklertools kann man nach eigenem Gusto anordnen. Es gibt einen Editor und einen Browser Bereich. Alles recht selbsterklärend und übersichtlich gehalten. Im Editorbereich hat man im unteren Teil dennoch eine kleine Browser Ansicht mit Ordnerstruktur und Vorschauen. Für mich nicht wirklich interessant, da ich ohnehin einen anderen Workflow habe (später mehr) bzw. mir hier Lightroom besser dient. Für die Preset Freunde gibt es bereits vorgegebene Entwicklungsvorgaben, welche zum Teil schon zu Beginn sehr gute Ergebnisse liefern und manchem schon reichen könnten. Man kann zudem eigene Presets anlegen und importieren.

Screenshot PhotoNinja

Insgesamt ist der Konverter sehr gut dokumentiert. Auf der picturecode Website sind diverse Tutorials hinterlegt, die einem die einzelnen Werkzeuge und diversen Einstellungsmöglichkeiten gut und einfach vermitteln. Und bei weiteren Fragen leistet der e-mail Support sehr gute und vor allem schnelle Arbeit.

Wie bereits mehrfach erwähnt, ist mein Workflow sehr durch Lightroom geprägt, und hier arbeitet PhotoNinja glücklicherweise sehr gut mit Lightroom zusammen. Es funktioniert hier analog zu dem Verfahren, wenn man eine Datei von Lightroom z.B. nach Photoshop schickt, bis auf den feinen Unterschied, dass das Rendering von PhotoNinja übernommen wird. Es wird zwar eine Tif-Datei in Lightroom angelegt, PhotoNinja sucht sich jedoch die zugehörige Raf-Datei selbst, die dann in PhotoNinja entwickelt wird. Wenn man fertig ist, überschreibt man das in Lightroom bzw. im Ordner vorhandene Tif und gut ist.

Die nötigen Einstellungen in Lightroom/PhotoNinja findet man auch in einem Tutorial

Schließt man PhotoNinja und kehrt zurück zu Lightroom, hat man das fertig entwickelte Tiff sofort zur weiteren Bearbeitung vorliegen. So wie man es eben auch mit Photoshop und ähnlichem gewohnt ist. Man kann Kamera-, Sensor- und Lichtquellen-Profile anlegen. Hierzu benötigt man lediglich eine der gängigen ColorChecker Tafeln. Wie man dies am besten macht, ist ebenso alles sehr gut dokumentiert.

Um ehrlich zu sein, dient mir der Konverter (im Moment) hauptsächlich dazu, soviel Details wie der x-trans tatsächlich bietet aus meinen Dateien zu entlocken. Und das macht PhotoNinja erstaunlich gut! Aber auch die Farbwiedergaben sind zum Teil sehr überzeugend und sehr viel schneller für mich erreichbar als z.B. mit Lightroom. PhotoNinja ist eigentlich recht flott beim Verrichten seiner Aufgaben, aber leider nicht bei allen Aktionen. Das Noise Reduction- und das Sharpening Tool sind sehr speicherhungrig und lindern ein ganz klein wenig das Vergnügen die Details herauszuholen. Wenn PhotoNinja allerdings dann seine Arbeit verrichtet hat, muss ich gestehen, dass  die Ergebnisse zum Teil richtig, richtig gut sind! Auch die vorgegeben Presets liefern teilweise sehr gute Farbergebnisse.

Aber Bilder sagen mehr als tausend Worte. Daher hier mal ein paar 100% Ansichten ausgewählter Aufnahmen. Einmal das in Lightroom entwickelte raf, einmal die PhotoNinja-Bearbeitung und direkt in Folge das gesamte Bild. Die Screenshots lassen sich grösser darstellen, einfach drauf klicken.

Screenshot LAX

2012.10.06_unbenannt_038-Bearbeitet-3

PhotoNinja

2012.10.06_unbenannt_038

Lightroom

 

Screenshot Strasse

2013.10.08_unbenannt_022

Lightroom2013.10.08_unbenannt_022-Bearbeitet

PhotoNinja

Screenshot Berlin

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Lightroom2013.03.27_unbenannt_160-Bearbeitet-2

PhotoNinja

Screenshot Portrait

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Lightroom

2013.08.24_unbenannt_5487-Bearbeitet

PhotoNinja

 Mein persönliches Fazit:

PhotoNinja ist der erste externe RAW Konverter, der mir wirklich richtig gut gefällt. Ich habe es die letzten Tage vor allem in Bezug auf Details und z.T. auch Farben hin getestet. Das mit den Profilen will ich mir bei Zeiten auch genauer anschauen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist PhotoNinja der erste RAW Konverter, der es mir Wert scheint, Adobes Camera Raw Konverter links liegen zu lassen und, dank der guten Integration in Lightroom, dennoch nicht meinen Workflow ändert.

Allerdings kann ich verstehen, wenn man die Mehrkosten scheut, die sich zwangsläufig nach 14 Tagen bei weiterem Nutzungswunsch ergeben. Es ist natürlich kein Muss diesen RAW Konverter zu erwerben, aber aus Sicht eines x-trans Nutzers ist PhotoNinja eine logische Konsequenz. Ich kam mir die Tage immer wieder vor, als würde ich eine lange Zeit ungeputzte Brille endlich mal wieder reinigen, nur um erstaunt festzustellen, wie klar ich doch eigentlich sehen kann.

Wir dürfen gespannt bleiben, ob Adobe hier sehr genau hinschaut und von dem picturecode Team lernt.

Ein ganz dickes Dankeschön an die Entwickler von PhotoNinja!