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Das Zeiss Sonnar 55 mm f/1.8 ZA wiederentdeckt

review zum 55er Sonnar von ZEISS

Als damals die erste Sony A7 auf den Markt kam, war das schon eine kleine Sensation. Eine vergleichsweise kompakte spiegellose Kamera mit Kleinbildsensor – heute völlig normal, 2013 aber noch ziemlich neu. Passend dazu brachte Sony die ersten FE-Objektive heraus, darunter einige Modelle, die in Zusammenarbeit mit Zeiss entstanden und entsprechend prominent das blaue Zeiss-Logo trugen.

Zu diesen ersten Objektiven gehörten das Sonnar T* FE 35 mm f/2.8 ZA und das Sonnar T* FE 55 mm f/1.8 ZA. Letzteres soll hier die Hauptrolle spielen. Das 55er wurde gemeinsam mit der A7 und A7R vorgestellt und gehörte damit praktisch zur Erstausstattung des neuen Sony-Vollformatsystems.

Ein paar technische Daten, bevor es persönlich wird: Das Sonnar besteht aus sieben Linsen in fünf Gruppen, darunter drei asphärische Elemente. Es besitzt neun Blendenlamellen, fokussiert bis 50 Zentimeter, nimmt Filter mit 49 Millimetern Durchmesser auf und wiegt gerade einmal 281 Gramm. Mit etwa 64 Millimetern Durchmesser und gut 70 Millimetern Länge ist es für ein lichtstarkes Kleinbild-Normalobjektiv angenehm kompakt. Einen eigenen Bildstabilisator besitzt es nicht.

Und es ist ein Objektiv, das mir irgendwie im Gedächtnis geblieben war. Ich hatte vor einigen Jahren einmal die Gelegenheit, eines kurz auszuprobieren, und war damals vom Rendering der Bilder ziemlich beeindruckt. Tolle Kontraste, ein leichter 3D-Pop, schönes Bokeh und dazu ein schneller, leiser Autofokus. What's not to like?! 

Also wollte ich es nun noch einmal ausprobieren. Nur bitte nicht unbedingt an einer Sony

Es gab allerdings ein kleines Problem: Die Sony A7 gehörte nie zu meinen Lieblingskameras. Das ist kein vernichtendes Urteil über Sony und schon gar keine wissenschaftliche Feststellung. Ich bin mit den Kameras einfach nie richtig warm geworden. Andere lieben sie, ich eben weniger. So ist das mit Werkzeugen.

Per Zufall – beziehungsweise durch jene merkwürdige Form höherer Fügung, die wir heute YouTube-Algorithmus nennen – entdeckte ich, dass es inzwischen smarte Adapter gibt, mit denen sich Sony-E-Mount-Objektive an Nikon-Z-Kameras verwenden lassen. Vor einigen Jahren hatte ich so etwas schon einmal ausprobiert. Damals war das Ergebnis eher so mittel. Der Autofokus hatte Aussetzer, mechanisch saß die ganze Angelegenheit nicht besonders vertrauenerweckend an der Kamera und am Ende blieb vor allem das Gefühl zurück: nette Idee, aber nein.Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Neue Adapter, neue Firmware, bessere Elektronik. Also noch ein Versuch.

Adapter bestellt. 55er Sonnar besorgt. Und das Ganze auf meine Nikon Zf gepappt. Und plötzlich passt alles.

Größe, Gewicht und Form des 55ers harmonieren wunderbar mit der Nikon Zf. Das Objektiv ist weder zu klein noch zu groß, der schlichte schwarze Tubus passt zur Kamera und die gesamte Kombination bleibt erfreulich kompakt. Vor allem: Es wackelt nichts. Alles sitzt sauber und fühlt sich tatsächlich wie eine Kombination an, die so gedacht sein könnte. Nun also einschalten und …

Jooooooo. Funktioniert.

Und zwar erfreulich unauffällig. Das Objektiv meldet sich nahezu vollständig bei der Kamera an. Brennweite, Blende und Fokus werden übertragen, der kamerainterne Stabilisator arbeitet damit und auch der Autofokus funktioniert schnell und zuverlässig. Nur der konkrete Objektivname taucht in den Bildinformationen nicht auf. Geschenkt.

Entscheidend ist für mich etwas anderes: Ich muss beim Fotografieren nicht darüber nachdenken, dass dort ein Adapter zwischen Kamera und Objektiv sitzt. Und genau das ist eigentlich das größte Lob, das man so einer Konstruktion machen kann. 

 

Da ist sie wieder, diese Zeichnung.

 

Vor allem aber erinnerte ich mich ziemlich schnell daran, warum mir dieses Objektiv damals so gut gefallen hatte. Ich mag seine Plastizität.

Es hat offenblendig einen eigenen Charakter, ohne deswegen weich oder technisch zweifelhaft zu wirken. Motive lösen sich schön aus dem Hintergrund, Kontraste wirken knackig, ohne unangenehm hart zu werden, und das Bokeh gefällt mir ausgesprochen gut. Besonders schön finde ich das Verhalten im Gegenlicht. Dort lässt sich mit dem Sonnar ein leichter Lichtschein einfangen, der einem Bild etwas Atmosphärisches geben kann. Natürlich kann man so etwas messtechnisch als Flare untersuchen und vermutlich Diagramme darüber anfertigen. Man kann sich aber auch einfach darüber freuen, dass es gut aussieht. Und genau darin steckt für mich ein Teil des Reizes dieses Objektivs.

Es fühlt sich tatsächlich nach einem Zeiss-Glas an: offenblendig besitzt es einen gewissen Charakter, abgeblendet wird es technisch richtig sauber. Schärfe und Kontrast waren schon bei seinem Erscheinen eine der großen Stärken des 55ers – und auch mehr als zwölf Jahre später muss es sich in dieser Hinsicht nicht verstecken.

Der Autofokus arbeitet dabei schnell und leise. Subjektiv kommt mir die Kombination sogar etwas flotter vor als das Nikkor Z 50 mm f/1.8 S. Das schreibe ich allerdings ausdrücklich mit einem großen Sternchen dahinter: Das ist eine Einschätzung aus meiner Erinnerung und kein sauberer Direktvergleich mit Stoppuhr. Also: gefühlt ja. Wissenschaftlich belegt nein.

Vertrauen statt Testlabor

Was mich selbst ein wenig überrascht hat: Ich habe das Sonnar praktisch sofort bei Veranstaltungen eingesetzt. Normalerweise probiert man eine neue Kombination erst einmal aus, fotografiert damit ein bisschen durch die Gegend und schaut, ob irgendwo unerwartete Probleme auftauchen. Hier war das Vertrauen ziemlich schnell da. Kamera an, Fokus sitzt, Belichtung stimmt, Bilder sehen so aus, wie ich sie haben möchte. Also mitnehmen.

Das ist für mich ohnehin der wichtigere Praxistest. Ich fotografiere nicht immer nur zum Spaß, sondern liefere mit meinen Kameras auch Bilder für konkrete Aufträge ab. Eine Kombination darf deshalb gern Freude machen und ein bisschen emotional sein – sie muss am Ende aber funktionieren. Das tut sie.

Ein Sonnar kommt selten allein

Interessant finde ich außerdem, wie gut sich das 55er in seiner Zeichnung mit einem anderen Objektiv ergänzt, das ich seit Jahren ausgesprochen gern benutze: dem 35 mm f/2 Sonnar an der Sony RX1R. Dieses 35er gehört für mich zu den schönsten Objektiven überhaupt. Auch dort gibt es diese Mischung aus Klarheit, Kontrast, Plastizität und einer Zeichnung, die eben nicht nur technisch gut aussieht. Das 55er spricht für mich eine sehr ähnliche Sprache. Damit ergibt sich eine Kombination, die ich ausgesprochen reizvoll finde: 35 Millimeter an der RX1R, 55 Millimeter an der Nikon Zf. Zwei kompakte Kameras, zwei unterschiedliche Brennweiten und trotzdem eine Bildwirkung, die gut miteinander harmoniert.

Fazit

Das Sonnar T* FE 55 mm f/1.8 ZA ist inzwischen ein Objektiv aus der Frühzeit des spiegellosen Kleinbildsystems. Alt fühlt es sich deswegen noch lange nicht an. Es ist klein, leicht, lichtstark, fokussiert schnell und leise und liefert genau die Art von Bildern, die mir gefällt. Vor allem besitzt es für mich etwas, das sich schlechter in Messwerten ausdrücken lässt: eine Zeichnung, die Charakter hat. Dass ich es nun praktisch vollwertig an einer Nikon Zf benutzen kann, macht die Sache für mich besonders charmant.

Die Zf liefert dazu ein bisschen Retrogefühl, das Sonnar die passende optische Handschrift. Man kann mit dieser Kombination herrlich herumspielen, durch die Gegend laufen und einfach Freude am Fotografieren haben. Und wenn es darauf ankommt, kann man damit genauso gut auf eine Veranstaltung gehen und Bilder abliefern, mit denen hoffentlich sowohl der Kunde als auch der Fotograf zufrieden sind. Mehr brauche ich eigentlich nicht.

Manchmal lohnt es sich eben, altes Glas noch einmal neu zu entdecken.

Galerie zum 55mm Sonnar