Beiträge

Analog: Der Film Silbersalz35 – 200T

Silbersalz35 verwendet Kodak Kinofilm, halt modern „Cinefilm“, und spult den in handelsübliche 35mm Filmdosen. Da gibt es unterschiedliche Sorten. Diese Filme werden dann dorthin zurück geschickt und in der speziellen Cine-Chemie entwickelt und mit einem 4K-Kinoscanner digitalisiert.

Über die letzten Monate hinweg hatte ich mich mal wieder in Sachen Film umgetan.

Ziel war es, ein für mich sehr interessantes Angebot zu nutzen: Die Firma Silbersalz35 bietet unterschiedliche Filme inkl. Entwicklung und Scan an. Zur Transparenz: Silbersalz35 hat keine Ahnung davon, dass ich hier etwas darüber schreibe. Die Filme hab ich normal gekauft.

 

Was ist da drin?

Silbersalz35 verwendet Kodak Kinofilm, halt modern „Cinefilm“, und spult den in handelsübliche 35mm Filmdosen. Da gibt es unterschiedliche Sorten. Diese Filme werden dann dorthin zurück geschickt und in der speziellen Cine-Chemie entwickelt und mit einem 4K-Kinoscanner digitalisiert. Man erhält preview jpgs, cine jp2 (also in dem Look, den Silbersalz35 vorsieht) und rawscan jp2. Gerade die jp2 Varianten lassen sich sogar ziemlich gut digital nachbearbeiten.

Ich hatte mich für einen 200T entschieden. T steht dabei für Tungsten – also eher kunstlichtorientiert. Die 200 ist tatsächlich sowas wie eine ISO-Angabe, aber eher ein Richtwert. Ich fand im Netz verschiedene Kommentare und Hinweise, die immer davon ausgingen, dass man eher „reichlich“ belichten sollte. Da ich Negativfilm ohnehin „eher reichlich“ belichte, also rund eine halbe Blende drüber, stellte ich die Kamera auf ISO100 ein. Idealerweise nutzt man auch Kameras dafür, an denen man die Filmempfindlichkeit einstellen kann – die Patronen haben keinen DX-Code.

Für ein spezielleres Projekt hatte ich Silbersalz35 allerdings angeschrieben und gefragt, wie ich einen gewissen Look hinbekommen könne. Mir wurde schnell, direkt und sehr hilfsbereit geantwortet, fand ich cool. Da wurde mir genau erklärt, wie ich bei der Aufnahme handeln soll und was ich dann für die Entwicklung angeben soll (man kann push/pull für die Entwicklung festlegen). Das war echt gut und hat auch funktioniert.

 

Look und Performance

Den 200T habe ich hauptsächlich bei Tageslicht eingesetzt. Mir war nicht ganz klar, was ich da für einen Look erhalten würde. Letztlich stellte sich ein leicht sandfarbener Bildlook ein. Ein bisschen vergilbte Realität. Das ließ sich auch wieder weg bearbeiten, aber mir gefiel es so. Schließlich wähle ich persönlich Film vorher (vor derm Schuss) aus und nicht hinterher. Im digitalen Workflow ist es dann bei mir genau umgekehrt. Da wird der Look hauptsächlich hinterher (nach dem Schuss) ausgewählt. Ich habe den Film in unterschiedlichen Kameras genutzt - Nikon FM2/T, Nikon F3 und ein wenig in einer Leica M6. Rückspulen und dann in die nächste Kamera bis zur richtigen Stelle wieder einspulen ist ja möglich. :)Die Dynamik ist super. Man hat in den Lichtern und auch in den Schatten viel Zeichnung. Teilweise konnte/ musste ich aus den Lichtern einiges retten, und das ging digital problemlos. Das spricht meines Erachtens nach auch für die Daten des Scans. Es lässt sich wirklich viel damit anstellen.

In Sachen Schärfe und Auflösung gehen ja die Meinungen weit auseinander, was Film tatsächlich leisten kann… Die Scans lassen sich problemlos auf 20x30 oder auch 30x40 vergrößern und man hat eine zufriedenstellende Ansicht auf dem Tisch. Geht man an die Wand und vergrößert damit den Betrachtungsabstand, wird noch mehr möglich. Auf dem Monitor ist es wie Pixelpeeping bei ca 20 bis 24 Megapixeln Auflösung. Geht, man kommt aber an Grenzen. Für mich ist das persönlich nicht ganz so wichtig, da ins Bild unendlich reinzoomen zu können. Ich erfreue mich eher daran, dass ich eine reale Abbildung (Film) von einer realen Situation habe. Das ist in Zeiten der digitalen Verfügbarkeit von fast allem schon manchmal ein gefühlter Segen.

Wunderbar sind auch solche Dinge wie das Fehlen chromatischer Abberationen bei Nutzung offener Blende, die gefühlte Tiefe in den Scans (vielleicht durch die physische Tiefe des Mediums? (echte Frage)) und die angenehmen Farben und Reaktionen auf Licht.

 

Fazit

Ich nutze sehr gern Film. Silbersalz35 wird für mich weiterhin in Nutzung bleiben. Aktuell nutze ich einen 500T bei ISO400.

Mir gefällt daran, dass ich nicht gleich sehe, wie es geworden ist. Vielmehr verlasse ich mich auf meine Erfahrungswerte. Als jemand der Fotografie ausschließlich auf Film gelernt hat, ist das für mich eine Rückkehr und Erholung zugleich. Der Silbersalz35 200T hat für mich genau so und teilweise noch besser auf die unterschiedlichen Lichtsituationen reagiert als ich erwartet hatte.

Das Angebot von rund 60€ für vier Filme, Entwicklung und Scan finde ich für mich vertretbar, aktuell sogar eher günstig. (Jetzt bitte nicht gleich die Preise anheben!) Natürlich arbeiten wir bei Qimago auch weiterhin mit nicht Cine-Filmen und da landen wir für die Entwicklung bei safelight Berlin.

Entwicklung und Scan gehen schnell, man bekommt sehr flink einen Link für den Download. Es waren rund 8Gb für vier 36er Filme, im Übrigen. Jetzt muss ich nur noch schneller werden. Für die vier Filme habe ich mehrere Monate gebraucht.

 

Entschleunigung, juchhee.