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Interview mit pictureline.com

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  • Interview mit pictureline.com

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Kürzlich wurde ich von der Marketing Managerin des Fotofachgeschäfts in Salt Lake City, Utah namens Pictureline angeschrieben ob ich denn bereit wäre ein kleines Interview über meine Streetfotografie zu geben. Aufmerksam auf mich wurden Sie durch Fujirumors, wo mich neulich Patrick (Betreiber von Fujiroumors) mit anderen wirklich tollen Fotografen erwähnt hatte.

Das an sich hatte schon ein lächeln in mein Gesicht gezaubert, welches eine ganze Zeit lang anhielt. Als dann diese Anfrage kam war mein lächeln wie festgetackert über Tage lang.

Streetfotografie ist ja neben der Landschaftsfotografie mein liebstes Genre und von daher fühlte/fühle ich mich natürlich sehr geehrt, dass ich hierzu ein Interview geben sollte.

Wer gerne das Interview auf dem Blog in englisch lesen will, der sollte mal hier klicken.

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Was brachte Dich zur Streetfotografie? Und was ist es was Du so an ihr magst? 

Im Rückblick war ein Bericht über Bruce Gilden der Auslöser, der mich für das Genre begeistert hat. Gilden ist sicherlich ein Fotograf der spaltet, aber sein Stil, das Leben auf der Straße real und ungeschönt einzufangen, hat mich beeindruckt und neugierig gemacht. Vor allem folgende Aussage, die er machte, hat sich regelrecht in mir eingebrannt:

If you can smell the street by looking at a photo, then you know it‘s street photography.

Das Faszinierende und Herausfordernde an der Street Fotografie ist, dass sich eine Situation oder ein Bild oft anders entwickelt, als man es sich vorher ausgemalt hat. Oft habe ich ein bestimmtes Bild im Kopf, und während ich warte und die Umgebung beobachte, entdecke ich neue Geschichten. Manchmal entstehen klassische Schnappschüsse, ein anderes Mal harre ich an der Stelle aus, bis sich das Motiv entwickelt, das ich im Kopf hatte. Und wiederum kommt es vor, dass ich manche Juwelen erst nach der Aufnahme am Rechner erkenne.

Street Fotografie hat sicherlich auch etwas mit Zufall zu tun. Und so kann es passieren, dass der Schnappschuss eines völlig unvorhersehbaren Momentes zum Foto des Tages wird.

Um es wie Forrest Gump auszudrücken: Street Fotografie ist für mich wie eine Schachtel Pralinen. Man greift hinein und weiß nicht, was man bekommt.

Wie hat die x100s und die x-pro1 Deine Streetfotografie beeinflusst?

Was ich an den Fujifilm x-Kameras so sehr schätze, ist die analog-ähnliche Bedienung, die mich an die Anfänge meiner Fotografie erinnert. Und ja, auch wenn ich kein ausgesprochener Retro-Fan bin, muss ich zugeben, dass die Kameras ziemlich sexy aussehen.

Meine Arbeitsweise hat sich entsprechend verändert. Der Blendenring, das Zeitwahlrad, das Belichtungskorrekturrad, vor allem aber die Festbrennweiten wie z.B. bei der x100(s) helfen mir, anders an eine Aufnahme heranzugehen. So habe ich gelernt, in 23mm (35mm KB) zu sehen, und kann die Kamera blind, ohne durch den Sucher/das Display zu sehen, einstellen. Nach einer gewissen Zeit intensivster Nutzung positioniere ich mich bereits in dem mehr oder weniger richtigen Abstand zu meinen Motiven. Ich muss also nur noch die Kamera ans Auge nehmen, den Ausschnitt wählen und das Bild ist im Kasten.

Dabei habe ich das, was viele an der x100/x-pro1 kritisieren, zu meinem Vorteil genutzt: Die Notwendigkeit der entschleunigten Fotografie zurückzugewinnen und sich gleichzeitig mehr mit der Kamera-/Fototechnik auseinanderzusetzen. Das kann man natürlich mit jeder Kamera einer gewissen Klasse, aber die x100 verlangt dies geradezu.

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Hurry up!

Ich habe meine x100s immer, und hier meine ich tatsächlich immer, dabei. Oft habe ich noch zusätzlich die x-pro1, dabei. Das war mit der Canon 5D MkII, die ich zuvor genutzt habe, aufgrund ihres Gewichts und dem der Objektive undenkbar. Und die Größe und das Gewicht sind neben den anderen beschriebenen Vorteilen der Premium x-Kameras vielleicht auch der Aspekt, der meine Fotografie am entscheidendsten beeinflusst hat. Jetzt bin ich in der Lage meine Kameras immer und überall dabei zu haben, und mache seither Fotos, die mir ansonsten entgangen wären, da ich ja keine Kamera dabei gehabt hätte.

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Kannst Du für die, welche gerne auch in die Streetfotografie einsteigen wollen, ein paar Tipps geben? 

Ich erinnere mich, dass ich zu Beginn sehr darauf bedacht war unentdeckt zu bleiben. Es war mir peinlich, bei der Aufnahme “erwischt” zu werden. Das ist heute zum Glück anders. Wenn ich bei einer Aufnahme entdeckt werde, lächele ich die Person an und gebe ihr so die Gelegenheit, mich anzusprechen. Besteht der Wunsch, das Bild zu löschen, mache ich das anstandslos und unwiderruflich.

Bei meinen Aufnahmen versuche ich die Personen in einer Art und Weise abzulichten, die ihnen nicht schadet. Dabei versuche ich mich in die Person hineinzuversetzen und frage mich, was ich an ihrer Stelle empfinden würde. Erst dann ziehe ich es überhaupt erst in Erwägung eine Aufnahme zu machen bzw. zu veröffentlichen. Womit wir auch schon beim wichtigen Thema Bildrechte wären. Was diese anbelangt, muss man wissen, dass sie in den verschiedenen Ländern unterschiedlich geregelt sind. Als Fotograf im Street Genre muss man sich zumindest grob damit auskennen.

Street Fotografie ist für mich auch immer eine Stimmungssache. Jedoch gehöre ich nicht zu den Fotografen, die sich Musik auf die Ohren legen. Das lenkt mich zu sehr ab und lässt mich nicht in die Szenerie eintauchen. Ich muss den Lärm der Stadt hören und die Atmosphäre ganzheitlich aufsaugen.

Zwar gibt es im Bereich Street Fotografie kaum feste Regeln, jedoch hat sich für mich herauskristallisiert, dass ich selten Fotos ansprechend finde, die Personen von hinten ablichten. Es gibt durchaus Situationen, bei denen es der Bildgeschichte zuträglich ist, oft hinterlassen sie bei mir jedoch einen eher fragwürdigen Eindruck.

Ein weiteres Kriterium betrifft die Brennweiten. Bilder mit langen Brennweiten wie einem 90er oder längere Brennweiten wirken für mich auch selten gut. Ich bevorzuge Weitwinkelobjektive. Bei der x100s ist es auf KB bezogen die 35mm und an der x-pro benutze ich für Street sehr gerne das 14mm (21mm auf KB).

Bestimmte Motive erleichtern einem den Einstieg in die Street Fotografie, sind damit aber leider auch etwas verbraucht und selten wirklich gut. Strassenmusiker bspw. sind so ein Motiv, oder Obdachlose. Kinder eignen sich gewöhnlich außerordentlich gut, da sie eine Natürlichkeit und Spontaneität an den Tag legen, die man bei Erwachsenen kaum findet. Und dennoch, als Vater von zwei Kindern macht mir das irgendwie auch Bauchschmerzen. Um nun ganz konkret auf mein vorheriges Szenario zurückzukommen: Würde ich es gut finden, wenn jemand meine kleine Tochter in welcher Situation auch immer ungefragt ablichtet? Nein, würde ich nicht. Daher wird man bei meinen Aufnahmen auch nur sehr selten bis gar keine Aufnahmen von Kindern wiederfinden.

Copy Watch?

Gute Street Fotos erzählen eine Geschichte. Dabei hat es keinen Einfluss, ob es sich um eine Farbaufnahme handelt oder die Farben als Stilmittel entsättigt wurden. Manchmal hilft eine Schwarzweiß Aufnahme das Auge des Betrachters zu führen, aber genau so oft unterstützen die Farben die Geschichte des Fotos.

Ich versuche nicht in Stereotypen zu denken, ich versuche offen zu bleiben für neues. Ich glaube den besten Tipp den ich geben kann/will ist: Zieh los mit leichtem Gepäck, keine Zooms, eine, maximal zwei Festbrennweiten (lerne in der Brennweite zu sehen), öffne Deine Augen und fotografiere was das Zeug hält!

Comments

  • Andy

    Zu recht interviewed. Tolle Bilder! Ich versuch das auch immer wieder - ist aber nicht so leicht Fremde zu fotografieren. ;)

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